Seit letztem Herbst haben wir indische
Laufenten – vier Damen, wie wir heute wissen. Sie fielen uns sozusagen in den
Schoß – das passiert, wenn der Mann Tierarzt ist. Sie zogen in den Hühnerstall
ein, Parterre – die Hühner hausen im 1. Stock. Eigentlich sollen sie nur
Schnecken fressen. Die gibt es nämlich durch den Mühlbach reichlich! Ob sie das
echt tun, weiß ich nicht. Mal abwarten. Aber pünktlich zu Ostern überraschen
sie uns mit Eiern! Sie legen fleißiger als die Hühner: jede Ente am Tag ein Ei!
Und was für welche: von Alabaster hafter Schönheit, grünlich angehaucht. Maria
meint: zum Kuchen backen reicht’s. Ich nicke. Aber warum eigentlich „nur“?
Klar: Enteneier sind Salmonellennester. Aber wenn man sie kocht –
Kerntemperatur 70 Grad – dann ist das Thema erledigt. Hab ich nicht mal
gelesen, dass sie fischig schmecken – so nach Entengrütze? Also jetzt will ich
es wissen. Piekse die Eier an, lege die Beauties in einen Topf
mit Wasser, lasse sie ab erstem Sprudeln 10 Minuten kochen – gaaanz sicher. Und
dann kommt der große Moment: Verkostung, noch warm! Überwindung. Und was soll
ich sagen: Traumhaft! Beim Blindtest nicht zu unterscheiden von Hühnereiern.
Nur das Gelb – das ist irgendwie cremiger, sahniger – also einfach besser als beim hartgekochten Hühnerei. Vielleicht etwas mehr Fett? So wie der ganze Vogel? Kurzer
Entschluss: Die werden dieses Jahr gefärbt – also das sind meine idealen
Ostereier. Vor allem: ganz ohne Verbraucher schützenden Aufdruck und cremig weiß! Mein Fazit:
Unsere Vorurteile sind so stark und unbewußt – und so wird unser Speisezettel
immer ärmer und langweiliger. Klar: über Risiken sollte man sich informieren.
Aber probieren geht eben doch über studieren... Was übrigens die Söhne nicht ganz so sahen! Es gibt viel zu tun......Frohe Ostern!
Sonntag, 31. März 2013
Mittwoch, 20. März 2013
Jojo - Effekt und Diogenes
Fastenzeit ist Diätzeit. Und so fragte
mich eine Sonntagszeitung zum Jojo-Effekt. Bei dem immer so getan wird, als ob
er wie eine böse Seuche oder ein Fluch über die erschlankte Menschheit käme.
Wie bitte? Ist es nicht ganz logisch, dass der hungernde Körper – und dieses
Gefühl ist gewichtsunabhängig – also wenn dieser kasteite Body sich auf jeden
Kalorienkrümel stürzt? Und schnell, schnell seine Reserven wieder auffüllt? Als
Schutz vor der nächsten Hungerkur? Und dass der Gaumen, ach - all unsere
Geschmacksnerven mit uns durchgehen, wenn wir von der Schmalkost befreit sind?
Nix Fluch – Gier!
Dagegen hilft: Diogenes. Das war der Glückliche, Genügsame in
der Tonne. Passenderweise gab er einer großen Studie den Namen, die
untersuchte, wie Kohlenhydrate und Eiweiß nach einer Diät das Gewicht
beeinflussen. Leider wurde Fett dabei außen vor gelassen. Die Moral des
Diogenes: ein wenig mehr Eiweiß, dafür etwas weniger Kohlenhydrate – und zwar
solche mit Biss! Die einen niedrigen glykämischen Index haben: Gemüse en masse,
Vollkorn, Nüsse und Saaten, Früchte – pure nature! Dazu auf der Eiweißseite
Fisch, mageres Fleisch, nicht zu fetten Käse und Milchprodukte. Alles ganz
vernünftig. Und bitte nicht gleich low carb – das ist nämlich gerade der
verhängnisvolle Trend. Nimm dem Deutschen sein Brot und er nimmt ab.... und
wieder zu, wenn seine Brotsucht gewinnt! Jojo lässt grüßen.
Doch mit Diogenes wird alles ausgewogen und alles gut.
Da lese ich Montag morgen: Neue Studie:
„Olivenöl mach satt und schlank.“ Ach Diogenes, steh mir bei! Übrigens:
Schweineschmalz war auch nicht schlecht als Schlankmacher......
Montag, 11. März 2013
Honig
Ich weiß: Honig im ersten Lebensjahr
ist tabu. Wegen der Botulismus-Toxine, die das unreife Verdauungssystem vor
allem in den ersten 6 Monaten nicht abbauen kann. Und Blaubeeren im Schwarzwald
pflücken sowieso. Wegen des Fuchsbandwurms. Entenbrust muss durchgegart sein
wegen Salmonellen. Und deshalb gibt’s auch kein Zucker-Ei mehr – oder
Apfelschnee mit rohem Eiweiß oder Eigelb in der Bouillon. Und dass Rohmilch bei
Kindern Allergien wahrscheinlich vorbeugt – nach EHEC ein Tabuthema.
Wenn man Kochbücher schreibt und
Ernährungsratschläge gibt, muss man aufpassen, dass man nicht mit
Hygienerichtlinien und Hiobsbotschaften im Widerspruch steht. Denn sonst setzt
es bitterböse mails. Und ich kann es ja verstehen: Ängstliche Verbraucher sind
gute Verbraucher. Deshalb wird gerne der Teufel an die Wand gemalt. Und bad
news are good news. Deshalb wird über Skandale intensiv berichtet. Beides
ergänzt sich ungut: Verbraucherängste zu schüren, treibt der
Lebensmittelindustrie und Food Watch kurzfristig Kundschaft zu. Langfristig
aber führt das zu Panikreaktionen und Hysterie. Denn wer Angst hat, der
verliert oft das Maß und den Blick fürs Wesentliche. Und verlangt nach
Garantien und Siegeln – um sich darauf zu verlassen. Was natürlich auch nicht
klappt und noch mehr Verunsicherung erzeugt. Und wenn wir nach und nach jedes
mögliche Risiko vermeiden, dann wird unser Ess-Alltag ziemlich trostlos,
langweilig und kontrolliert. Im Grunde treiben wir den Teufel mit dem Beelzebub
aus: Selbst zu kochen ist unbequem und gefährlich. Und selber Lebensmittel zu
produziere erst recht. Also alles keimfrei vom Lieferanten mit Garantie. Das
Risiko sollen doch bitte die Anderen tragen. „ Das Leben ist wild und
gefährlich“ meint mein Ältester, wenn ich wieder mal zaudere. Recht hat er. Also
ab ins wilde Frühbeet und auf den unhygienischen Markt!
Donnerstag, 28. Februar 2013
GartenKinder
Werden wir nach und nach alle zu Gemüsemuffeln? Sterben nach und nach bestimmte Gemüsesorten aus, weil keiner sie mehr nachfragt? Schwarzwurzeln – weil sie beim schälen braune Finger machen – oder Rote Bete, die machen eben rote Pfoten! Blumenkohl, weil er „duftet“ und Rosenkohl, weil er so viel Arbeit macht? Was ist mit all den Rüben: Teltower, Mairübchen, Butterrüben und Steckrüben? Oder gar Rübstiel, Du heute heißgeliebter Horror meiner Kindheit! Und finden wir Pastinaken dann nur noch in Babygläschen? Petersilienwurzeln und Topinambur höchstens im Sternerestaurant? Manchmal kommen mir diese bunten Gemüsesorten wie Kometen vor, die noch einmal hell erstrahlen am Küchenhimmel, um dann auf immer zu verglühen. Dabei entlockt die Forschung ihnen nach und nach ihr Gesundheitsgeheimnis – sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe sind das Zauberwort für die wohltuende Wirkung, die von den unterschiedlichen Gemüsesorten ausgehen, von Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen ganz zu schweigen. Oder gar von ihrer Fähigkeit satt zu machen. Ich bin sicher: mit drei Gemüseportionen pro Tag wird keiner mehr dick!
Und was passiert? Klar: Tomate forever! Auch gerne als Pferde-Bolognese, getrocknet als Antipasti und einfach als Ketchup. Gerne Erbsen, adrett aus der Tiefkühltruhe. Wellen-Karotten, Brokkoli und Champignons. Vielleicht noch Paprika und Salat. Und Kürbis zu Halloween. Basta.
Das darf nicht sein. Aber wie können wir das Ruder herumreißen? Junge Eltern sind heute ja selber schon als Gemüsemuffel aufgewachsen. Und ohne Vorbild läuft in der Ernährungserziehung garnix! Wir erziehen konfliktarm, sagt die peb-Studie. Und einigen uns auf Spaghetti, Pommes und sonst nix.
Und genau deshalb liebe ich GartenKinder. Kinder müssen ja erstmal auf den Gemüsegeschmack kommen. Leider ist nicht zu erwarten, dass Karotten mit Sticker verpackt werden oder Rosenkohl mit Rubbellosen oder dass es ein Sammel-Matchboxauto für 10 Pastinaken gibt. Das sind nämlich Argumente, die nachweislich ziehen. In einer englischen Studie konnten Sticker Gemüse bei Kindern sogar langfristig zum Durchbruch verhelfen.
Ich glaube: GartenKinder kann das auch. Wenn nämlich so ein Zwerg – dessen Vater Gemüse als Kaninchenfutter bezeichnet und dessen Mutter Salat und Tomaten für die einzig akzeptablen Gemüsesorten hält – also wenn so ein kleiner Gemüsemuffel in zweiter Generation seine erste kleine, knackige Zucchini erntet. Und seine erste Kresse schneidet, ein wundersam entstandenes Möhrchen erntet oder so eine breite, grüne Feuerbohne....dann beginnt eine wunderbare neue Gemüsegeschichte. Dann ist das Geschmackstor ganz weit geöffnet für neue Vorlieben, Gewohnheiten und Kenntnisse. Wer schon im Vorschulalter dem Geheimnis des Wachsens und Gedeihens auf die Spur kommt, neue Geschmäcker kennenlernt, sie anfasst, riecht, schält und schneidet – den wird das auf seinem ganzen weiteren Leben begleiten. Und vielleicht gelingt es diesem GartenKind dann sogar, seine Eltern zu überzeugen! Denn ein Gemüsegarten ist ein Abenteuer. Und die Gemüseküche auch.
Und was passiert? Klar: Tomate forever! Auch gerne als Pferde-Bolognese, getrocknet als Antipasti und einfach als Ketchup. Gerne Erbsen, adrett aus der Tiefkühltruhe. Wellen-Karotten, Brokkoli und Champignons. Vielleicht noch Paprika und Salat. Und Kürbis zu Halloween. Basta.
Das darf nicht sein. Aber wie können wir das Ruder herumreißen? Junge Eltern sind heute ja selber schon als Gemüsemuffel aufgewachsen. Und ohne Vorbild läuft in der Ernährungserziehung garnix! Wir erziehen konfliktarm, sagt die peb-Studie. Und einigen uns auf Spaghetti, Pommes und sonst nix.
Und genau deshalb liebe ich GartenKinder. Kinder müssen ja erstmal auf den Gemüsegeschmack kommen. Leider ist nicht zu erwarten, dass Karotten mit Sticker verpackt werden oder Rosenkohl mit Rubbellosen oder dass es ein Sammel-Matchboxauto für 10 Pastinaken gibt. Das sind nämlich Argumente, die nachweislich ziehen. In einer englischen Studie konnten Sticker Gemüse bei Kindern sogar langfristig zum Durchbruch verhelfen.
Ich glaube: GartenKinder kann das auch. Wenn nämlich so ein Zwerg – dessen Vater Gemüse als Kaninchenfutter bezeichnet und dessen Mutter Salat und Tomaten für die einzig akzeptablen Gemüsesorten hält – also wenn so ein kleiner Gemüsemuffel in zweiter Generation seine erste kleine, knackige Zucchini erntet. Und seine erste Kresse schneidet, ein wundersam entstandenes Möhrchen erntet oder so eine breite, grüne Feuerbohne....dann beginnt eine wunderbare neue Gemüsegeschichte. Dann ist das Geschmackstor ganz weit geöffnet für neue Vorlieben, Gewohnheiten und Kenntnisse. Wer schon im Vorschulalter dem Geheimnis des Wachsens und Gedeihens auf die Spur kommt, neue Geschmäcker kennenlernt, sie anfasst, riecht, schält und schneidet – den wird das auf seinem ganzen weiteren Leben begleiten. Und vielleicht gelingt es diesem GartenKind dann sogar, seine Eltern zu überzeugen! Denn ein Gemüsegarten ist ein Abenteuer. Und die Gemüseküche auch.
Pferdewahn
Ein seltsamer Skandal ist das. Denn wenn Pferdefleisch unters Hack gemogelt wird, dann entsteht keine Gesundheitsgefahr, im Gegenteil: Die Ernährungsphysiologische Qualität des Hacks wird deutlich besser! Natürlich wurde es uns nicht deshalb untergejubelt, sonder woanders ist eben Pferdefleisch billiger als das von Rind oder Schwein – und damit lässt sich Kohle machen. Ein Etikettenschwindel also. Muss bestraft werden – und zwar so hoch, dass sich Betrug nicht mehr lohnt. Und klar: Die Kontrollen müssen verbessert werden – also mehr Labors und mehr Kontrolleure müssen her. Trotzdem ist jetzt schon abzusehen, dass keine dieser Forderungen umgesetzt werden. Schließlich ist Lebensmittelkontrolle Ländersache – und damit Frau Aigners Aktionsplan entzogen.
Aber was heißt das für den Verbraucher? Wurden wir nicht immer schon vor Buletten gewarnt? Und hat es jetzt nicht sogar Ikeas Køtbollar erwischt? Nebenbei – McDonalds ist Dank Lieferketten clean. Also Buletten nur noch im Fast Food Tempel? Das kann es ja nicht sein. Ich würde anregen: mal weniger Hackfleisch verarbeiten, sondern lieber Fleisch „wie gewachsen“ in den Topf geben. Genau das habe ich in meinem „Grünen Kochbuch“ gemacht: geschmorte Beinscheibe als Osso Buco eine Delikatesse, Rippchen in Traubenkraut, Ragout und Pfeffer aus den nicht so edlen, kleinen Teilen geschmort, Brühe aus Knochen – oft reicht schon wenig, um einen ganzen Topf zu aromatisieren. Und Innereien gibt’s ja auch noch. Macht zuviel Arbeit? Na ja – zum Nulltarif ist ein köstliches Essen nicht zu haben. Dafür wissen Sie, was drin ist. Und sparen jede Menge Geld – das haben wir mal ausgerechnet. Wer dagegen Fertigprodukte kauft, der gibt Kontrolle ab und muss vertrauen. Denn ehrlich: Wer erkennt schon Pferdehack auf den ersten Blick? Dabei ist Preis und Siegel eben auch kein Garant.
Und nun? Alles ab in die Tonne? Die Massenvernichtung von einwandfreien Lebensmitteln ist ein zweiter Skandal. Ich bin für Umetikettieren - diese Lasagne sind doch so gut kontrolliert wie kaum ein Lebensmittel. Und dann ab in den Handel und die Gemeinschaftsverpflegung. Und wer das nicht will: Lernt kochen!
Aber was heißt das für den Verbraucher? Wurden wir nicht immer schon vor Buletten gewarnt? Und hat es jetzt nicht sogar Ikeas Køtbollar erwischt? Nebenbei – McDonalds ist Dank Lieferketten clean. Also Buletten nur noch im Fast Food Tempel? Das kann es ja nicht sein. Ich würde anregen: mal weniger Hackfleisch verarbeiten, sondern lieber Fleisch „wie gewachsen“ in den Topf geben. Genau das habe ich in meinem „Grünen Kochbuch“ gemacht: geschmorte Beinscheibe als Osso Buco eine Delikatesse, Rippchen in Traubenkraut, Ragout und Pfeffer aus den nicht so edlen, kleinen Teilen geschmort, Brühe aus Knochen – oft reicht schon wenig, um einen ganzen Topf zu aromatisieren. Und Innereien gibt’s ja auch noch. Macht zuviel Arbeit? Na ja – zum Nulltarif ist ein köstliches Essen nicht zu haben. Dafür wissen Sie, was drin ist. Und sparen jede Menge Geld – das haben wir mal ausgerechnet. Wer dagegen Fertigprodukte kauft, der gibt Kontrolle ab und muss vertrauen. Denn ehrlich: Wer erkennt schon Pferdehack auf den ersten Blick? Dabei ist Preis und Siegel eben auch kein Garant.
Und nun? Alles ab in die Tonne? Die Massenvernichtung von einwandfreien Lebensmitteln ist ein zweiter Skandal. Ich bin für Umetikettieren - diese Lasagne sind doch so gut kontrolliert wie kaum ein Lebensmittel. Und dann ab in den Handel und die Gemeinschaftsverpflegung. Und wer das nicht will: Lernt kochen!
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